Chiron - Schmerz und Erlösung

Chiron ist der verletzte Heiler. Die Mythologie erzählt, er wurde versehentlich von Herkules mit einem Pfeil am Knie verletzt. Die Wunde heilte nie, obwohl Chiron alles versuchte. Daher wurde er auch zum Lehrer, gab sein Wissen und seine Heilkunst an andere weiter. Chiron ist also der ewig Suchende. Erlöst wurde er erst, als er sich "opferte" in dem er Prometheus von seinen Qualen erlöste und dessen Schicksal übernahm. Er ging in den Hades und wurde unsterblich gemacht, indem er ein Sternbild am Himmel erhielt.

Damit ist das Wichtigste benannt: Chiron leidet, sucht vergeblich nach Erlösung und muss ein Opfer bringen. Er trifft eine radikale Entscheidung, die sein Schicksal wendet. 


Steht Chiron nun prominent im Horoskop, lohnt sich ein genauer Blick auf die Thematik. 

Chiron gilt als Planetoid und wurde am 18.10.1977 entdeckt. Seine eliptische Umlaufbahn beträgt  rund 50 Jahre und kreuzt die Laufbahn von Saturn und Uranus jeweils zweimal. Durch die elliptische Laufbahn hält sich Chiron unterschiedlich lang in den Sternzeichen auf. Von April 1960 bis März 1968 lief Chiron durch das Fischezeichen, hat daher die Generation der wilden 60-er Jahre geprägt. Auch die Pluto/Uranus Konjunktion in der Jungfrau revolutionierte die Gesellschaft in dieser Zeit. Die bestehende Ordnung wird auf den Kopf gestellt, veraltete Strukturen werden gesprengt. Dazu gesellt sich 1966 auch noch Saturn und bildet mit Chiron eine Opposition zu Pluto/Uranus. Eine gewaltige Umwälzung der bestehenden kollektiven Themen von Alt gegen Jung/Neu. Eine ganze Generation hat diese Zeit revolutioniert. Die Achse Fische-Jungfrau hat zum Thema Transzendenz - Realität. Die Fische lösen alles auf im Strom der Liebe, konturlos verschwimmt alles in Träumen, Phantasie, Kunst und Musik.  Auch Drogen und die Sehnsucht nach dem Paradies/der Erlösung sind Erscheinungen dieser Zeit. "Peace and Love" beschreibt diese Zeit wohl ganz gut. Die Generation die in dieser Zeit geboren ist, hat nun die Aufgabe diese gegensätzlichen Strömungen zu vereinen: Tradition und Innovation ins Gleichgewicht zu bringen. Chiron nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Vielleicht zeigt sich hier, dass es ein ewiger Prozess des Ausgleichs ist: manchmal ist es richtig Neuem Raum zu geben, Ketten zu sprengen, der Mut ins Ungewisse zu springen. Manchmal braucht es aber auch Grenzen, Ordnung und Vernunft, damit das Chaos nicht überhand nimmt und die neuen Ideen eine passende Form bekommen. Der Preis ist, dass nie beide Seiten ganz zufrieden sind, da es ein ewiger Balanceakt ist. Chiron in den Fischen (oder im 12.Haus) ist die Verletzung des Urvertrauens in die bedingungslose Liebe, der Menschenliebe. Der ewige Schmerz nicht mehr im Paradies zu sein und die Sehnsucht danach. 


1977 herrschte in der BRD atmosphärisch der „Deutsche Herbst“, eine der größten politischen Krisen der Nachkriegszeit. Die 2.Generation der RAF hielt die Republik in Atem. Höhepunkt war die Entführung von Hans Martin Schleyer (Arbeitgeberpräsident) und der Lufthansamaschine Landshut.  Die Gründer und Führungsriege der RAF sollte freigepresst werden, die in Stammheim seit 1972 in Isolationshaft saßen. Die Geißeln der Landshut wurden befreit, einige Gefangene in Stammheim begingen daraufhin Selbstmord und Schleyer wurde ermordet aufgefunden. Das war am 18.10.1977, der Tag als Chiron entdeckt wurde. Der kollektive Schmerz fand seinen Höhepunkt. 


Eine  Geschichte erzählt, Chiron hätte zuletzt doch eine Pflanze gefunden, die ihn heilte und nach ihm benannt wurde: das Tausendgüldenkraut oder Centaury, übrigens auch eine Bachblüte...